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Kapelle der unbefleckten Empfängnis Mariens

Rolandswerth gehörte bereits im 17. Jahrhundert zur katholischen Pfarrei Mehlem. So finden sich zum Beispiel die Namen vieler Rolandswerther in den Mehlemer Kirchenbüchern dieser Zeit. Doch mit der Besetzung des Rheinlands durch die Franzosen wurde das Erzbistum Köln aufgelöst. Seine linksrheinischen Gebiete wurden dem neu gegründeten französischem Bistum Aachen zugeteilt, dessen Bischof Marcus Antonius Berdolet 1804 ein Drekret über die neue Begrenzung der Pfarreien seines Bistums erließ. Darin ordnete er Rolandswerth der Pfarrei Oberwinter zu.

Selbst als das Rheinland zehn Jahre später an Preußen ging, baten die Rolandswerther in zahlreichen Schreiben lange Zeit wie schon zuvor erfolglos um eine Rückführung der Gemeinde nach Mehlem. Erst 1847 übertrug der mittlerweile für Rolandswerth zuständige Bischof von Trier seine „Jurisdiction“ über die Gemeinde quasi auf dem kurzen Dienstweg auf den Erzbischof von Köln, wodurch eine Wiedervereinigung mit Mehlem noch im selben Jahr vollzogen werden konnte. Die Pfarrei Oberwinter erhielt als Entschädigung eine Zahlung von 200 Talern sowie jährlich drei Taler für den dortigen Küster.

Kapelle der unbefleckten Empfängnis Mariens, Rolandswerth.
1865 ließen die Kölner Kaufleute Jakob und Ludwig Lützenkirchen vermutlich von dem Baumeister Vincenz Statz, der fünf Jahre zuvor schon die Godesberger St. Marienkirche baute, auf ihrem Rolandswerther Grundstück eine Privatkapelle errichten. Das Erzbistum Köln verweigerte jedoch eine Weihung der Kapelle, solange sie nicht in Kirchenbesitz sei. So schenkten die Gebrüder Lützenkirchen im Jahr 1867 die Kapelle mitsamt ihrem Inventar im Wert von über 900 Talern dem Erzbistum, wobei sie zur Auflage hatte, für die laufenden Kosten wie beispielsweise der Beiträge zur Feuerversicherung selber aufzukommen. Am 29. August des Jahres weihte der Bonner Dechant Lammertz die Kapelle unter dem Titel "der unbefleckten Empfängnis der allerseligsten Jungfrau Mariä und dem Patronate des hl. Apostels Paulus“.

Nach dem Tod der Mehlemer Pfarrers Meyer 1879 blieb seine Pfarrstelle aufgrund der im Kulturkampf vom preußischen Staat gegen die katholische Kirche erlassenen Gesetze sieben Jahre lang unbesetzt. In dieser Zeit, aber auch in den folgenden Jahren, wurde die Kapelle nicht mehr genutzt und verwahrloste zusehends. Erst im Sommer 1905 konnten die Rolandswerther dank vieler Geld- und Sachspenden mit der Renovierung beginnen. Anderthalb Jahre später, am 1. Adventsonntag 1906, fand nach über 25 Jahren erstmals wieder ein Gottesdienst in der Kapelle statt.

Kapelle der unbefleckten Empfängnis Marines, Rolandswerth1907 erbte die Rolandswerther Kapelle den ausgemusterten Tabernakel der Mehlemer Pfarrkirche, der angeführt vom Mehlemer Kaplan Karl Bomm in einer großen Prozession das Allerheiligste von Mehlem entlang der Landstraße nach Rolandswerth überführte.

In den folgenden Jahrzehnten kam mehr und mehr der Wunsch auf, die Kapelle zu erweitern, der 1931 in der Gründung des Kapellenvereins Rolandswerth gipfelte. Der Mitgliedsbeitrag betrug monatlich 20 Reichspfennig. Um zukünftige Baumaßnahmen zudem einfacher durchführen zu können, übertrug das Erzbistum Köln die Kapelle 1932 der Mehlemer Pfarrei. Doch bevor an kostspielige Erweiterungen gedacht werden konnte, mussten zunächst dringend nötige Sanierungen vorgenommen werden, wie die Neudeckung des Daches und die Isolierung der Sockelmauern.

Mitte der dreißiger Jahre erfolgte dann eine Umgestaltung der Kirche. Fachleute aus der Gemeinde zogen unentgeltlich eine neue Decke ein, der Chor wurde um zwei Stufen höher gelegt, Altar und Kommunionbank wurden erneuert. Maßgeblich beteiligt an dem Umbau war Schwester Elma (Therese Koenig) vom Kloster Nonnenwerth, die als Künstlerin weit über die Grenzen von Rolandswerth hinaus bekannt war. So entwarf sie auch die Christus-Darstellung in der Apsis der Kapelle, die sie gemeinsam mit dem Rolandswerther Bauunternehmer Heinrich Wiest als Putz-Mosaik in die Chorwand einfügte.

Kapelle der unbefleckten Empfängnis Mariens, Rolandswerth. Im Jahre 1937 erfuhr die Kapelle eine echte Erweiterung, ausgeführt ebenfalls von Heinrich Wiest. Im Westen wurde ein Querschiff mit einem neuen Glockenturm angebaut, der den alten Turm über dem Chorschiff ersetzte. Die folgenden Kriegs- und Nachkriegsjahre ließen keine weiteren, größeren Arbeiten an der Kapelle zu.

Erste Instandsetzungsarbeiten wurden erst wieder Ende der fünfziger und Anfgang der sechziger Jahre durchgeführt. Die Kölner Architekten Willi Zachert und Theodor Niessen nahmen 1985 eine umfangreiche Renovierung und Aufstockung der Kapelle vor, die am 9. März 1986 als „Kapelle der unbefleckten Empfängnis Mariens“ vom Bonner Stadtdechanten Monsignore Wilhelm Passavanti, zuvor selbst Pfarrer in Mehlem, feierlich eingeweiht wurde. Der damalige Mehlemer Pfarrer Stockhausen schrieb über die Neugestaltung: „Von der alten Kapelle blieben schließlich nur noch die Umfassungsmauern ohne Dach und Fenster stehen. [...] Mit einem Kostenaufwand von über 600.000 DM aus Kirchensteuermitteln und Aufwendungen der Gemeinde ist sie zu einem schönen und würdigen Gotteshaus wiedererstanden. Ich feue mich, daß die Rolandswerther sie in Ehren halten und vorzüglich pflegen.“

Quelle: Alois Weisgerber, Die Godesberger Marienkirche und ihr erster Baumeister, Godesberger Heimatblätter #4, 1966; Hans Kleinpass, Die Kapellengemeinde Rolandswerth, eine alte Filiale der katholischen Pfarrei St. Severin in Mehlem, Godesberger Heimatblätter #35, 1997; Fotos: Lars Bergengruen, 2008