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Kirche

St. Severin

Schriftlich erwähnt wird St. Severin zum ersten Male im Jahre 1181. Über die damalige Gestalt der Pfarrkirche ist leider nichts Näheres bekannt. Diese erste Kirche ist im Dreißigjährigen Krieg ebenso wie dreiviertel des Dorfes Mehlem von den Schweden durch Brandstiftung zerstört worden. Damals wurden auch drei der vier großen Glocken, die jede für sich über zwei Tonnen wiegte, vernichtet. Nur die der heiligen Barbara gewidmete Glocke ist bis heute erhalten.

Die anschließend neu errichtete Kirche ist am Karnevalsdienstag, dem 19. Februar 1860, durch Blitzschlag in Brand geraten und bis auf den Turm völlig abgebrannt. In den folgenden drei Jahren wurde dann vom damaligen Kreisbaumeister Paul Thomann ein neues Gotteshaus errichtet. Bei dieser Maßnahme ist der noch vorhandene Turm im neuromanischen Stil wesentlich erhöht worden, so dass die Mehlemer heute stolz darauf sind, am Rhein, zwischen Koblenz und Bonn, den höchsten Kirchturm zu besitzen.

Im Jahre 1929 wurde die neue Kirche grundlegend renoviert. Dabei gestaltete der Bonner Maler Alois Hewera auch die Innenbemalung neu. Von seinen Arbeiten sind die monumentale Halbfigur des segnenden Christus sowie die Bilder der Apostel in der Apsis bis heute erhalten.

Nachdem bei einer Routineprüfung 1968 erhebliche Mängel am Kirchengebäude festgestellt wurden, veranlasste die zuständige Baubehörde eine sofortige Schließung der Kirche. Bei den anschließenden erneuten Renovierungsarbeiten wurde die Kirche grundlegend geändert. Der Altar wurde aus der Apsis herausgenommen und zusammen mit Tabernakel und Madonna gegenüber dem neu geschaffenen Südportal in das um vier Stufen erhöhte Seitenschiff verlegt. Anstelle der Kuppeln wurde eine flache leichte Holzdecke angebracht. Die Apsis, ehemals Zentrale des Gotteshauses, wurde nun zum Nebenraum. Durch Anbauten rechts und links des Südportals wurde zusätzlich Kirchenraum und somit mehr Platz für Bänke geschaffen.

Die dritte große Renovierung von St. Severin begann im Jahr 1998. Nach einem Entwurf der Architekten Lorenz und Franke wurde der Kirchenraum wieder in West-Ost-Richtung ausgerichtet. Der erhöhte Altarraum an der Nordseite wurde abgetragen und der Altar vor der Apsis aufgestellt. Der Altarstandort ist zusammen mit dem Boden der Apsis um vier Stufen angehoben worden. Sie bildeten so den neuen zentralen Ort des Gotteshauses. Tabernakel und Madonna wurden rechts und links des Altars in den Seitenschiffen aufgestellt. Der Eingang zur Sakristei musste deshalb verlegt werden.

Kirche St. Severin, November 2008Die Kirche hat auch eine neue Gewölbedecke erhalten. Sie wurde zwar aus statischen Gründen aus Holz gefertigt, wirkte aber dadurch, dass man die Unterseiten mit Gipskarton verkleidet und verputzt hat, wie gemauert. Eine den Farben der Apsis angepasste Bemalung der Jochbögen, Gewölberippen, Schlusssteine und Kapitelle in Verbindung mit der neuen Beleuchtungsanlage brachte die Schönheit dieser neuen Kirchendecke zusätzlich zur Geltung. Als Zugabe hatte sie auch noch die Akustik in der Kirche beachtlich verbessert.

Das Taufbecken befand sich jetzt im Turmraum, der durch ein schmiedeeisernes Gittertor vom übrigen Kirchenraum getrennt ist und durch den Umbau auch einen unmittelbaren Zugang zur alten Empore sowie zum Turmaufgang erhalten hat. Ferner wurden schmiedeeiserne Tore in die neue Zwischenwand unter der Orgelempore eingelassen. Sie trenneten den Vorraum vor dem Südportal vom Kirchenraum ebenso wie das Gitter im daneben liegenden Andachtsraum. Diese Lösung erlaubte es, Vor- und Andachtsraum der Kirche tagsüber ständig geöffnet zu halten.

Quelle: Autor ungenannt, 2004; Fotos: Lars Bergengruen, 2008