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Kirche

St. Albertus Magnus

Die Besiedlung des Pennenfelds nach dem Zweiten Weltkrieg brachte es mit sich, daß die Mutterpfarrei St. Martin in Muffendorf schon in den 50er Jahren den Beschluss fasste, eine eigene Kirche im neuen Wohngebiet zu bauen. Zunächst aber verlangten die vielen Kinder der jungen Familien, die in dieses Stadtgebiet zogen, den Bau eines Kindergartens. Bereits 1961 war die Grundsteinlegung und ein Jahr später die Eröffnung. Somit ist der Kindergarten das älteste Gebäude auf dem Kirchengrundstück.

Ihm folgte der Bau der Kirche mit der Grundsteinlegung am 4. Juli 1965 und der Einweihung am 27. März 1967. In den ersten Jahren nach der Fertigstellung war St. Albertus Magnus eine Filialkirche von St. Martin in Muffendorf. Erst Ende 1969, nachdem die deutschsprachigen Franziskanerprovinzen eine Missionszentrale gründeten und die Seelsorge an St. Albertus Magnus übernahmen, wurde die Gemeinde selbständig. Die für das Gemeindeleben notwendigen Versammlungsräume, die Büroräume für die Pfarrei und die Missionszentrale, die Wohnungen für den Pfarrer, Küster, die Kommunität der Franziskaner und die Bibliotheksräume wurden bis Ende 1972 fertiggestellt und bilden zusammen mit der Kirche und dem Kindergarten das in sich abgeschlossene Zentrum.

Der Erbauer der Kirche, Pfarrer Dr. Wilhelm Graf, begründet in der Festschrift zur Einweihung der Kirche die Wahl von Albertus Magnus als Namenspatron wie folgt: „Albert den Großen (1193-1280) wählten wir zum Schutzheiligen der Kirche. Er, der an der Wende zweier Welten steht und mit weitgespanntem Geist in die Zukunft sieht, der die feudale Zeit zum Bürgertum führt und aristotelischen Geist ins Christentum heimholt, er soll auch in unserer Zeit [...] wegweisend sein, die Geisteswissenschaften fortführen und unseren Zeitgeist taufen, d.h. hineintauchen in Gottes Wort und Wollen.“

Als eine der ersten nach dem II. Vatikanischen Konzil erbaut, entspricht die Kirche den damals neu erlassenen liturgischen Bestimmungen. Der Architekt Peter Rieck entwarf daher einen breitgelagerten, kurzen Kirchenraum, in dem sich Priester und Laien während der Eucharistiefeier als Kern des Gottesdienstes in brüderlicher Gemeinschaft um den Opferaltar versammelten. Zudem wurde deshalb der Altar nur drei Stufen hoch gesetzt, damit die Höhe nicht zu einer Trennung führt. Vielmehr sollte der Raum spürbar machen, daß die Gemeindemitglieder bei der Eucharistiefeier keine entfernten Zuschauer, sondern Mithandelnde sind.

Beim Betreten der Kirche wird der Blick sofort auf das Relief gelenkt. Es zeigt Jesus Christus, der die Menschen hält und mit ihnen eine Einheit bildet. Das Relief, 1980 vom Bildhauer Gerhard Brandes aus Hamburg gestaltet, ist Symbol für die Gemeinde als Gemeinschaft, mit der damit verbundenen Aufforderung, aufeinander zuzugehen und die versöhnende Hand auszustrecken.

Der Altar als Ort der Eucharistie ist und bleibt der Mittelpunkt der Gemeinde, was auch schon optisch durch seine zentrale Stellung zum Ausdruck kommt. Der Altar und die Stele des Tabernakels bestehen aus Aachener Blaustein, 1968 vom Bildhauer Sepp Hurten aus Köln gestaltet. Der Tabernakel selbst wurde von ihm erst im Frühjahr 1988 gearbeitet. Er symbolisiert den brennenden Dornbusch. Passend zum Altar und der Sakramentsstele hat der Bildhauer Hermann Berges aus Bad Godesberg den Ambo, das Pult für die Lesungen und die Predigt, geschaffen. Er wurde 1983 zusammen mit dem ebenfalls von ihm gestalteten Taufbrunnen aus Muschelkalk aufgestellt.

Eine nicht alltägliche Darstellung ist die bewusst jugendlich wirkende Madonna mit dem stehenden Kind auf ihrem Schoß, die 1969 in der Werktagskapelle ihren Platz gefunden hat. Die Bronzestatue ist ein Werk der Bonner Künstlerin Annemarie Suckow-von Heydenhoff.

Die Fenster mit einer Gesamtfläche von 225 qm, die dem Kirchenraum den hellen und freundlichen Charakter geben, sind nur zum Teil künstlerisch gestaltet. Die Fenster in der Werktagskapelle sind bei der Erbauung der Kirche nach einem Entwurf von Franz Pauli gefertigt worden. 1987 wurde im Zusammenhang mit der Anschaffung einer neuen Pfeifenorgel nach einem Entwurf von Paul Weigmann aus Leverkusen das Fenster über der Orgelempore gestaltet. Die Glasstäbe in den Fenstern greifen das Motiv der Orgelpfeifen auf, so daß der gesamte Bereich über der Orgelempore den Lobgesang der Gemeinde unterstreicht.

Ebenfalls nach einem Entwurf von Paul Weigmann wurden im Mai 1990 die Fenster über der Seitenkapelle eingebaut. Eine Dornenkrone umschließt das Kreuz, welches im Schnittpunkt durch Glaskristalle einen herrlichen Glanz erhält: Durch Leid und Tod zur Auferstehung. Was im Tabernakel bereits dargestellt ist, die Offenbarung Gottes im Dornbusch, findet hier seine Fortsetzung.

Dem Stein des Hauptaltares angeglichen, gestaltete der Bildhauer Sepp Hurten den Altar für die Werktagskapelle, das jüngste bildhauerische Werk der Kirche.

Die größte Anschaffung war ohne Zweifel die neue Orgel, die zum 20jährigen Bestehen der Kirche im November 1987 feierlich eingeweiht wurde. Nachdem die Gemeinde fast zwanzig Jahre mit einer elektronischen Orgel auskommen musste, reifte mehr und mehr der Entschluss, eine Pfeifenorgel anzuschaffen und zu Spendenaktionen aufzurufen. Das geschah seit 1985. Abgesehen von einem Zuschuss der Erzdiözese Köln in Höhe von 50.000 DM hat die Pfarrei innerhalb von nur zweieinhalb Jahren die Gesamtsumme von 320.000 DM durch Spenden aufgebracht.

Unterstützt durch den Rat von Experten hat sich der Kirchenvorstand für die Wilhelmshavener Orgelbaufirma Alfred Führer entschieden, da sie über reiche und langjährige Erfahrungen verfügt und sich einen Namen gemacht hat durch die Renovierung berühmter Barockorgeln, die gemeinhin als der Höhepunkt des Orgelbaus angesehen werden. In ihnen ist weniger moderne Technik als vielmehr Mechanik eingebaut. Der damalige Orgelsachverständige der Erzdiözese Köln, Professor Josef Zimmermann, zeigte sich in seinem abschließenden Gutachten dann auch begeistert von der fertigen 23-Register-Orgel in St. Albertus Magnus.

Quelle: Pater Franz Josef Mohn, St. Albertus Magnus - Bonn-Bad Godesberg, Verlag für Kirchen und Gedenkschriften Anneliese Freifrau von Neurath, 1992; Fotos: Lars Bergengruen, 2008