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Liebe Gemeinde,

Johannes der Täufer war von der baldigen Ankunft des Messias fest überzeugt. Sehen wir genau hin, finden wir bei Johannes schon eine Botschaft, die eher barmherzig als hart zu nennen ist. Es war beispielsweise zu seiner Zeit durchaus üblich, Zöllner als gering zu behandeln.

Johannes aber sagt ihnen nicht, dass sie von vornherein schlechte Menschen seien. Er verlangt von ihnen lediglich, dass sie nicht mehr fordern, als ihnen von Gesetzes wegen zusteht. Eine Entwicklung zeichnet sich ab, die sich im Umgang Jesu mit den Zöllnern – man denke an Zachäus – vollenden sollte. Zeigt sich Gottes Macht nicht viel eher darin, dass er stark genug ist, um sich zu erbarmen? Durch das ganze Leben des Messias zieht sich ja so etwas wie eine Feuerspur der Liebe. Das fängt schon bei der Geburt an; es heißt ja von Jesus, dass er aus reiner Liebe geboren sei.

Liebe hat eine ihr ganz eigene Macht. Gewalt wiederum hat eine andere Form von Macht. Welche ist stärker? Gott jedenfalls setzt mit Jesus ganz auf die Macht der Liebe. Liebe und Barmherzigkeit sind die Haltung Gottes zu uns Menschen.

Dennoch antworten viele in Jesu Namen mit einer anderen Macht: der Macht über unterschiedliche Lebensentwürfe zu urteilen, der Macht an unguten Strukturen festzuhalten, der Macht Menschen auszuschließen. Wenn die Kirche die Aufgabe hat, die Haltung Gottes zu uns Menschen zu spiegeln, dann müssen wir als Glieder dieser Kirche immer wieder kritisch hinterfragen, ob diese Haltung Gottes in der Kirche glaubwürdig gelebt wird. Liebe und Barmherzigkeit müssen demnach die Richtschnur auf die Herausforderungen unsere Zeit sein.

Das klingt nicht unbedingt nach einem Wohlfüll-Adventstext kurz vor Weihnachten. Soll es auch nicht sein! Jesus war ein unbequemer Mensch und hat seine Mitmenschen in vielfacher Weise irritiert. Das hat bereits mit seiner Geburt angefangen. Der Sohn Gottes in einem Stall? Da werden damals schon viele verwundert den Kopf geschüttelt haben. Gott passt eben in kein Schema, sowenig wie wir Menschen.

Gemeindereferentin Anne-Kristin Graumann

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